Partner des Monats März – Bio am Hafen

29. März, 2019

Heute geht es weiter mit unserer Aktion Partner des Monats! Im März stellt sich der Naturkost- und Naturwarenladen Bio am Hafen in Greifswald vor. Wir freuen uns, dass sich Markus Maaß, der Geschäftsführer, für uns Zeit genommen hat und unsere Fragen beantwortet hat.

Bitte beschreibe deinen Laden kurz!

Wir verkaufen seit 1998, damals noch als „Naturkostladen Keimblatt“, ökologische Lebensmittel. 2015 sind wir vom Rathaus nur 500 m weiter gezogen und haben unseren neuen Standort in den Namen aufgenommen: „Bio am Hafen“. Mit Fahrer, Fensterputzer und Reinigungskräften sind wir rund 15 Leute und verkaufen auf 300 qm rund 7000 Artikel. Neben einem breiten Brot-Angebot bilden unsere Obst- und Gemüsetheke, an der die Kunden nicht nur eine große Auswahl finden, sondern auch von unserem Personal mit Fachwissen unterstützt werden, 12 Meter Frischetresen und 12 Kühlregale das Herz unseres Ladens. Wir sind Demeter-Partner und BNN-Mitglied.

Knapp 50 Lieferanten sorgen für ein unverwechselbares Sortiment und ermöglichen es uns, auch Wünsche zu erfüllen, die nicht vor Ort sind, ob nun bestimmte Festtagsbraten, Getreide- beziehungsweise Mühlenprodukte oder Reformartikel.
Seit Anfang an sind wir eng mit den Biobetrieben der Region vernetzt, halten aber auch engen Kontakt zu unseren Markenherstellern und Großhändlern.

Warum ist Bio für euch und dich persönlich wichtig?

Oh, komplex! Nun zum einen ist es ökologisch motiviert: Kein Eintrag von Chemie, artgerechte Haltung, Diversität etc. sind alles nur Stichworte, aber da haben alle so ein Bild, oder? Zum anderen ganz klar ökonomisch: Kleinteilige Landwirtschaft (Arbeitsplätze, regionale Strukturen für die Fläche – gehen quasi nur mit ökologischer Landwirtschaft), Familienbetrieb etc. Und die wiederum brauchen für die Vermarktung kleinräumige Strukturen und persönliche Partner. Das geht mit Discounter & Ketten in der Regel gar nicht.

Ich will was für die Region, die Umwelt (das „Klima“) tun und so ist das ziemlich handfest, wirksam und konkret.
Nur ein Beispiel von vielen: Ohne „unseren“ Milchverbrauch (ob nun als Frischmilch, Joghurt, Quark oder Käselaib) und die Eier-, Fleisch-& Wurstabnahme wären unsere lokalen Bio- und DemeterbäuerInnen doch ganz schön in Schwierigkeiten oder andersherum gesagt: nicht dahin gekommen, wo Sie heute sind.

Was unterscheidet euch von anderen Bio-Läden?

Innerhalb der Region? Da sind wir die „Profis“: Viele Artikel, ein großes regionales und ein großes frisches Angebot. Und selbst bei Tiefkühlwaren, Kosmetik, Haushaltswaren haben wir eine enorme Sortimentstiefe. Außerdem zeichnen uns unsere langen Öffnungszeiten und unser Lieferservice aus und dass wir Gastrolieferant sind. Zudem sind wir BNN-Mitglied und selbstverständlich seit Jahren biozertifiziert.

Und im Vergleich zum Bundesgebiet?
Nun, wir sind zwar in einer Kleinstadt, aber durch unsere Größe glauben viele, wir müssten und könnten ein Preisniveau wie die großen Bioketten bzw. wie im preisgetriebenen Berliner Biomarkt bieten. Da wir aber viele Touristen versorgen, bekommen wir neben unseren vielen langjährigen Stammkunden insbesondere von urlaubenden Biointensivkunden sehr viel positives Feedback: Ob nun für das passende Preisniveau, die Ausstattung oder das Sortiment. Das beruhigt uns dann doch schon sehr.

Was schätzt du an der Naturata AG und ihren Produkten?

Wir verkaufen seit 20 Jahren Naturata, seit einem Jahr auch immer mal wieder direkt ab Lager. Als Demeter-Hersteller liegt uns als Demeter-Partner viel an Naturata, auch nach den vielen Veränderungen.

Welches ist dein persönliches Lieblingsprodukt von Naturata?

Tomatenketchup Demeter

Welches ist bei deiner Kundschaft am beliebtesten?

Nach Stückzahl und Umsatz: Edelbitter Schokolade Lateinamerika 100 %, dicht gefolgt von Leinöl, Demeter.

Welche Trends siehst du im Bio-Bereich in der Produktwelt?

Was wir vor 20 Jahren gemacht haben, kommt zum Teil wieder zurück: unverpackt verkaufen, mehr ursprüngliche Lebensmittel. Mal schauen, wie lange dieser Trend hält. Da wir immer schon viel direkt vom Bauern verkauft haben, sind Punkte wie Misfits (krummes Gemüse) für uns keine Neuigkeiten. Ich habe eher die Bedenken, dass viel Trends vom LEH (ungewollt) induziert wurden, weil sich der LEH damit profilieren wollte. Das Schöne daran ist, dass die beziehungsweise ein Teil der Kundschaft uns als ehrlicheren, ursprünglicheren Anbieter dieser Trends erkennt.

Welche neuen Produktideen fehlen deines Erachtens auf dem Markt noch?

Auch in unserer Branche regieren immer mehr die Zahlen und ursprüngliche, wichtige (!?) Produkte werden ausgelistet. Das entfernt uns von unseren Wurzeln, den Wünschen unserer Kunden und damit von unseren Stärken. Unser Ziel sollte es nicht sein, ein schlankes, schnelldrehendes Discout-Sortiment zu bieten, sondern die Wünsche der Kunden auch mit individueller bäuerlicher Ware (zum Beispiel alte Sorten etc.) zu erfüllen.

Wie beurteilst du die aktuelle Entwicklung der Bio-Branche? Welche Herausforderungen siehst du und welche Must-Have-Eigenschaft braucht man, um diese erfolgreich zu meistern?

Wir sollten uns nichts vormachen: 2-5 % Branchen-Wachstum sind aus organischer Sicht schon ziemlich ambitioniert. Ganz ehrlich: Personal, Eigenkapital, Rohware und nicht zuletzt Kunden müssen ja auch mitwachsen. Wer größere Sprünge machen will, induziert Verwerfungen. Aber der Druck ist vom Kapital da, insbesondere weil die Biobranche als Boom-Markt gesehen wird.

Mit so einem Wachstum werden wir aber keine Revolution machen, wie es manche ankündigen und andere sich wünschen. Wenn wir aber bei unseren inhaltlichen Wurzeln bleiben wollen und inhaltlich Kunden, Produzenten etc. mitnehmen wollen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass unser nachhaltiges Wachstum sich nur an dem Wachstum an Bewusstsein in allen Bereichen orientieren kann: Ohne mehr ökologisches Bewusstsein bei BäuerInnen, ProduzentInnen, HändlerInnen, VerkäuferInnen und Kundschaft ist jedes Wachstum ein Strohfeuer.

Oder anders ausgedrückt: Wer jetzt um zu wachsen die ErzeugerInnen (egal ob hier oder sonst wo auf der Welt) unter Preisdruck setzt, dreht die Uhr zurück.

Wo siehst du die Bio-Bewegung in zehn Jahren?

Die Konzentration wird zunehmen, weil und wenn die betriebsinternen Nachfolgen nicht gesichert sind. Das bedeutet aber, dass immer der Größere Kleinere übernimmt. Egal ob Bauernhof, Einzelhandel, Großhandel oder Hersteller.

Konzentration wird durch Disruption unterbrochen: Fehlentscheidungen werfen Player aus dem Markt. Das gilt aber für den LEH genauso. Wenn wir es als Branche gemeinsam schaffen, am Bauernhof nah dran zu bleiben, wird uns auch keine Regulierung strangulieren, weil ein guter Teil der Bevölkerung Wert auf ursprüngliche Nahrung Wert legen wird.

Bitte vervollständige: Ein guter Arbeitstag beginnt für mich mit …

einem guten Latte Macchiato aus Demeter-Bohnen und frischer Demeter-Milch.

 

Vielen Dank an Markus Maaß für das Interview!

 

Bio am Hafen
Adresse:
Stralsunder Straße 40
17489 Greifswald

Telefon: 0 38 34-89 75 14

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr.: von 9 bis 19:30 Uhr
Sa.:           von 9 bis 18:30 Uhr

Hier geht’s zur Website von Bio am Hafen in Greifswald

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